Alexander Klähn engagiert sich seit Jahren beim FC Mecklenburg Schwerin, einer von rund 1.400 bundesweiten Stützpunktvereinen im Bundesprogramm „Integration durch Sport“ (IdS). Im Interview berichtet er, wie sich Integrationsarbeit im Vereinsalltag gestaltet und welche Rolle das Bundesprogramm dabei spielt.
Mit unserer IdS-Interviewreihe geben wir 2026 den Menschen eine Stimme, die „Integration durch Sport“ täglich mit Leben füllen – und zeigen, warum das Bundesprogramm für den organisierten Sport und unsere Gesellschaft unverzichtbar ist. Teil 4 mit Alexander Klähn, Vereinssportlehrer beim FC Mecklenburg Schwerin.
DOSB: Wie bist du zu deinem Verein – und später zum Bundesprogramm „Integration durch Sport“ – gekommen? Gab es einen Moment oder eine Erfahrung, die dich besonders motiviert hat, dich in diesem Bereich zu engagieren?
Alexander Klähn: Einen einzelnen ausschlaggebenden Moment gab es nicht. Durch meine Weltoffenheit sowie meine langjährige Erfahrung als Spieler und Funktionär habe ich Integration immer als wichtigen Bestandteil gesehen und entsprechende Aufgaben übernommen. Das Bundesprogramm hat diesem Engagement schließlich einen Rahmen gegeben – und damit auch mehr Sichtbarkeit, Wertschätzung und Stabilität.
Welche Rolle spielt das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ in eurem Vereinsalltag?
Viele alltägliche Abläufe wären ohne das Bundesprogramm deutlich schwieriger. Neben der finanziellen Unterstützung sind vor allem die Schulungen und das Netzwerk eine große Hilfe für unsere Arbeit, zum Beispiel beim Austausch mit anderen Vereinen oder bei Fragen im Trainings- und Vereinsalltag.
Wenn man einen Tag bei euch verbringt: Was erlebt man? Wo wird Integration im Vereinsalltag sichtbar?
Vor einigen Jahren hätte ich diese Frage noch anders beantwortet. Heute ist Integrationsarbeit ein ganz normaler Teil unserer täglichen Arbeit mit Menschen. Natürlich gibt es Herausforderungen, wie überall im Leben, aber der regelmäßige Umgang mit Menschen unterschiedlichster Herkunft schafft Sicherheit im Miteinander. Das zeigt sich ganz konkret auf dem Platz, in den Schul-AGs oder in den Kabinen – überall dort, wo Kinder und Jugendliche gemeinsam trainieren, spielen und Zeit verbringen. Durch unsere Schul-AGs und Mannschaften ist Integration zu einem selbstverständlichen und positiven Bestandteil unseres Alltags geworden.
Was macht euren Verein zu einem Ort, an dem sich Menschen willkommen fühlen?
Weltoffenheit, Toleranz und ein starkes Wir-Gefühl – und vor allem der Anspruch, dass jede und jeder unabhängig von Herkunft, Sprache oder Erfahrung Teil der Gemeinschaft werden kann.
Welche Menschen erreicht ihr mit euren Angeboten besonders?
Wir erreichen vor allem Kinder und Jugendliche, die anfangs teilweise mit großen Herausforderungen zu uns kommen und heute fest im Vereinsleben verankert sind. Besonders schön ist für mich der herzliche Empfang in den Schul-AGs. Außerdem ist es uns gelungen, dass viele der Jugendlichen inzwischen selbst Verantwortung übernehmen – etwa als Trainer*in, Schiedsrichter*in oder engagierte Vereinsmitglieder.
Gibt es eine Situation oder Begegnung im Verein, die euch besonders gezeigt hat, wie Sport Integration ermöglichen kann?
Im Fußball ist es weniger ein einzelner Moment als vielmehr das tägliche Miteinander, das Integration ausmacht – zum Beispiel wenn Kinder und Jugendliche unabhängig von Sprache oder Herkunft gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.
Wie unterstützt euch das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ konkret?
Vor allem durch finanzielle Mittel, ohne die viele ehrenamtliche Aufgaben nicht leistbar wären. Darüber hinaus ist das Netzwerk im Landessportbund enorm wichtig, da wir dort Unterstützung und Beratung zu unterschiedlichsten Fragen erhalten.
Welche Projekte oder Angebote wären ohne diese Unterstützung schwer umzusetzen?
Das lässt sich schwer voneinander trennen, da bei uns alles ineinandergreift – von den Schul-AGs über Ferien- und Fußballcamps bis hin zum Übergang in den Vereinsalltag. Gerade dieser Übergang – also der Weg von ersten Kontakten in der Schule hin zu einer festen Rolle im Verein – ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Auch die Sichtbarkeit des Bundesprogramms bei uns im Verein und das klare Bekenntnis dazu tragen maßgeblich zum Erfolg bei.
Was kann Sport aus eurer Sicht besonders gut, wenn es um Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt geht?
Im Mannschaftssport verfolgen alle die gleichen Ziele. Gleichzeitig werden wichtige Werte vermittelt, wie Respekt, Ehrgeiz, Wille und Kommunikation.
Was wünscht ihr euch für die Zukunft – für euren Verein und für das Bundesprogramm?
Wir wünschen uns, dass das Bundesprogramm weitergeführt wird, sich flexibel an gesellschaftliche Entwicklungen anpasst und möglichst unbürokratisch organisiert bleibt.
Wenn ihr anderen Vereinen eine Sache mitgeben könntet, die Integration im Sport erleichtert – was wäre das?
Einfach machen. Ängste und Vorurteile lassen sich nur abbauen, wenn man ins Handeln kommt. Der Mehrwert für Vereine ist enorm und lässt die anfänglichen Anstrengungen schnell in den Hintergrund treten.
Zur Person
Alexander Klähn ist beim FC Mecklenburg Schwerin aktiv und war mehrere Jahre als Integrationscoach tätig – heute arbeitet er als Vereinssportlehrer. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Planung und Durchführung von Schul-AGs, Feriencamps sowie die Organisation des Trainings- und Spielbetriebs zahlreicher Mannschaften.
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